Sind Rechtsanwälte schlechte Beziehungspartner?

Zum gesellschaftlichen, freilich ungeprüften Allgemeinwissen dürfte auch die Weisheit gehören, dass Juristen entweder mit Juristen oder mit Lehrern verheiratet oder anderweit verbandelt sind. Dafür mag so manches sprechen. So ist der Beliebtsheitsgrad von jungen Juristen bei Nichtjuristen vielleicht eingeschränkt (vgl. dazu ein Erlebnis aus den Annalen einen Langweilers) oder Studium, Referendariat und Berufsstart nehmen einen so in Anspruch, dass man keine Zeit hat, in anderen Fachrichtungen nach potentiellen Partnern Ausschau zu halten. Der Hang zur Besserwisserei sorgt für Kompatibilität mit Lehrern und gleich und gleich gesellt sich gern.

Oder liegt es vielleicht daran, dass Rechtsanwälte und -innen als schlechtere Ehemänner, Ehefrauen oder Lebenspartner gelten? Mängel in der Eheeignung hebt jedenfalls die Psychologin Dr. Fiona Travis in ihrem Blogbeitrag auf Lawyer Avenue hervor, freilich mit Blick auf US-Anwälte:

Marry a Lawer? Proceed With Caution

It’s not that lawyers lack relationship-building skills. But, overworked, overburdened and squeezed by time – and now, the worst downturn in two decades – lawyers do exhibit communication and intimacy breakdowns peculiar to their education, their professional training and work environment.

Und für Frauen sieht’s besonders schlecht aus:

According to an ABA study, a third of all women lawyers have never married as compared to eight percent of male lawyers, and nearly half of the women lawyers report being unmarried, compared to 15 percent of the men. Furthermore, compared to female physicians and college professors, women lawyers are less likely to be married, have children, remarry after divorce and are significantly more likely to become divorced.

Gründe dafür:

There is no one explanation, but when one combines the lawyer personality with the lessons learned in law school, the combination makes for great courtroom drama … but is also counter-productive in an intimate interaction with one’s spouse. The biggest obstacle is the so-called lawyer personality.

[O]n personality tests, most lawyers score high on the “thinking” scales and low on the “feeling” scales. And it’s not something that happens only after a lawyer passes the bar. It goes all the way back to law school, where one learns to argue, cross examine, stonewall, delay, outwit, and avoid showing weakness to opposing counsel.

Abhilfe:

– Listen with interest and without interruption. Don’t be a lawyer at home. Marriage should not be adversarial. It is not about “win at all cost” and “hardball ultimatums.”
– Become aware of your style of argumentation. You do not have to win at home. Take note if your critique of spouse and children comes across as if your belief is the only truth, and there is no other way to view the issue at hand.
– Make room for emotional support (especially if your spouse is a non-lawyer).

Deutsche und amerikanische Rechtsanwälte sind freilich nicht ohne weiteres vergleichbar. Insbesondere fehlt es trotz des kontradiktorischen Verfahrens im Zivilrecht am adversarial system des Common Law, das von den Rechtsanwälten eine Präsentation des Falles verlangt, die nicht nur einen Berufsrichter, sondern vor allem eine regelmäßig aus Nichtjuristen bestehende Jury überzeugen kann – und das nicht nur im Zivil-, sondern auch und besonders im Strafrecht. Die schon im Studium trainierten und der Eheeignung vielleicht entgegenstehenden Fähigkeiten eines US-Anwalts dürften daher bei deutschen Anwälten nicht ohne weiteres zu finden sein. Freilich – die eigene Position bzw. die des Mandanten vor Gericht zu vertreten, geschliffen und durchdacht zu argumentieren, Schwächen der Gegenseite erkennen und aufdecken – dies alles sind Fähigkeiten, die auch den deutschen Juristen auszeichnen.

Für Fiona Travis jedenfalls war das Thema interessant genug, gleich ein ganzes Buch darüber zu verfassen: Should You Marry a Lawyer: A Couple’s Guide to Balancing Work, Love & Ambition. Der deutsche Buchmarkt hat wohl noch nichts vergleichbares zu bieten. Vielleicht, weil Juristen mit Juristen oder Lehrern verheiratet sind?

4 Responses to “Sind Rechtsanwälte schlechte Beziehungspartner?”


  1. 1 Christian 19. Februar 2009 um 09:41

    Irgendwie… stimmt das! Ich selbst bin mit einer Juristin verheiratet. Zwei ehemalige Kommilitoninnen haben jeweils einen Lehrer geheiratet. Ein Anwalt aus meiner Referendariatsgruppe techtelmechtelt mit einer Lehrerin. Viele andere Bekannte aus Studium und Referendariat suchen bis heute verzweifelt einen Partner.

    Nur zwei befreundete Richter bilden die Ausnahme: Einer lebt mit einer Zahnärztin zusammen, ein anderer hat eine Floristin geheiratet…

  2. 2 Desperado 19. Februar 2009 um 17:15

    Als ich in der Mitte meines Studiums zwischenzeitlich zum Single mutierte, fand ich es aus den hier genannten Gründen wünschenswert, nicht mit einer Juristin zusammenzukommen. Hat funktioniert: Bin auch mit einer Zahnärztin zusammen. 😉

    Aber ich kenne einige Jurist(in)/Jurist(in)-Beziehungen, hingegen keine Lehrer(in)/Jurist(in)-Beziehung. Diese Beziehungen funktionieren trotz der Vorurteile gut. Denke, es ist auch einfach leichter, jemanden im eigenen Fachbereich zu finden, weil man eben eher mit Kollegen in Kontakt kommt.

  3. 3 traumzeit 21. August 2013 um 10:28

    Ich würde mir einen Juristen als Partner wünschen.
    Kann nicht direkt beschreiben wieso das so ist… Die sind Ihr lebenlang bodenständig und respektwürdig!
    Bin 32 J.a. keine Lehrerin, – Altenbetreuerin, und wohne in A`burg.


  1. 1 RefBlog.de » Das Beziehungsverhalten der Juristen! Trackback zu 23. Februar 2009 um 16:00

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