Dümmer gehts nimmer

David Klein, Betreiber des Kleinblogs und wiss. Mitarbeiter an der Universität Düsseldorf, fand gleich vor seiner Bürotür den Aushang eines Studenten, auf dem dieser Mithilfe bei der Erstellung einer Strafrechts-Hausarbeit sucht, gegen Aufwandsentschädigung, versteht sich. Und damit Interessenten es auch leicht haben, sich zu melden, hat der hilfesuchende Student gleich seine Kontaktdaten zum Abreißen hinterlassen – wie mir scheint, in Form einer Mobilfunk-Telefonnummer. Dümmer, aber auch dreister geht’s kaum mehr – es sei denn, es träfe die „Neue Kreuzberger Weisheit“ zu, derzufolge „Nicht jeder Zettel, der an einem schwarzen Brett hängt […] auch von dem [stammt], dessen Telefonnummer auf dem Zettel steht“.

Wie schreibt der Jurakopf dazu: So geht es nicht. Die dortigen Hinweise teile ich voll und ganz mit einer Ausnahme: Dass der gedankliche Austausch von den meisten Professoren gern gesehen wird, möchte ich bezweifeln – er ist nur nicht zu verhindern (und wird heutzutage durch Foren, Chats und dergleichen mehr natürlich noch gefördert). Die Verfälschung des Leistungsbildes nicht nur durch unredliche Inanspruchnahme fremder Hilfe, wie sie hier gesucht wird, sondern auch durch Zusammenarbeit mehrerer Bearbeiter war einer der wesentlichen Gründe, warum etwa in NRW die Hausarbeit erst im zweiten und dann auch im ersten Examen abgeschafft worden ist. Freilich gibt es auch professorale Aufmunterung zur Zusammenarbeit. So las ich hier einmal auf einem Hausarbeitstext, bei einer gemeinsamen Bearbeitung in der Bibliothek seien pro Gruppe nicht mehr als 20 Bücher auf dem Tisch erlaubt…

Nunja, im Grunde ist das auch alles egal, denn die böse Keule kommt im Examen. Gleichwohl wäre vielen ein großer Gefallen getan, wenn ihnen bis zum vierten Semester unmissverständlich klar gemacht worden wäre, dass Jura nichts für sie ist. Zu den von einer solchen Vorgehensweise Begünstigten könnte auch der Verfasser des Aushangs (so er denn der Hausarbeitsschreibende ist) gehören. Die Veröffentlichung der Kontaktdaten gehört jedenfalls nicht zu den Leistungen, mittels derer Intelligenz unter Beweis gestellt werden würde. Andererseits wiederum gehört die Selbstentblößung heute schon fast zu guten Ton, wie die freimütige Offenbarung allerlei persönlicher und intimer Details auf StudiVZ, SchülerVZ, Myspace oder Facebook unter Beweis stellt.

4 Responses to “Dümmer gehts nimmer”


  1. 1 Jens Ferner 15. Februar 2009 um 17:29

    Hallo,

    der Hinweis von mir kommt nicht von mir ohne Grundlage: Unter http://www.jurakopf.de/fragen-zur-hausarbeit-so-geht-es-auch/ gibt es Kommentare von anderen, das wird insofern wirklich von Profs offen gepflegt.

    Jedenfalls bei mir wird es seit Jahren nicht damit begründet, dass man es nicht kontrollieren kann, sondern weil Teamwork ein wichtiges Kriterium im Berufsleben ist, vor allem bei Juristen.

    Das Zitat von meinem Prof bringt es insofern auf den Punkt: “Tauschen Sie bitte Ihre Gedanken, tauschen Sie aber auf keinen Fall ihre Schriftsätze”

  2. 2 F. W. 15. Februar 2009 um 17:34

    Die „Neue Kreuzberger Weisheit“ habe ich nachgetragen. Gleichwohl, solche Zettel hängen hier auch immer wieder, nur nicht mit Telefonnummer, sondern mit eMail-Adresse. Und da ich einige kenne, die gegen Entgelt Hausarbeitshilfe gesucht oder geleistet haben, muss es sich nicht um einen Scherz handeln.

  3. 3 AlterEgo 15. Februar 2009 um 18:15

    Es könnte sich um einen Versuch handeln, wie man einen anderen anschwärzt. Das fällt dann unter die Kategorie „Buch verstecken“ (während der Hausarbeitszeit).


  1. 1 Kanzlei Hoenig Info » Blog Archive » Geht’s noch?! Trackback zu 15. Februar 2009 um 17:29

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