Jura-Podcasts #1: Law Podcasting (Kanzlei Dr. Bahr)

Getreu dem Motto „Wer Blogs liest, hört auch Podcasts“ startet heute eine Reihe zu juristischen Podcasts, in der in loser Folge Podcasts für Juristen oder mit juristischem Inhalt aus dem deutsch- und englischsprachigen Raum vorgestellt werden.

Den Auftakt macht Law Podcasting (iTunes-link), eigenem Bekunden nach das „erste deutsche Anwalts-Audio-Blog“. Der Podcast der Hamburger Kanzlei Dr. Bahr trägt zwar einen etwas eigenwilligen Namen (lt. Wikipedia ist Podcasting das „Produzieren und Anbieten von Mediendateien“, also der Herstellungsvorgang), gehört aber ohne Zweifel zu den hörenwerten der Juristenszene. Ganz unabhängig vom Inhalt macht das Zuhören schon deshalb Freude, weil die Podcasts von einer professionellen Sprecherin, nämlich Christine Hegeler,  präsentiert werden. Doch auch die Inhalte der Reihe, die mittlerweile bei Folge 167 (!) angekommen ist, können sich sehen lassen. Erfasst werden vornehmlich Fragen aus dem Bereich der Neuen Medien. Ein zweites Standbein bildet – dem Spezialgebiet des Podcasters Dr. Bahr entsprechend – das Gewinn- und Glücksspielrecht.

Nach Inhalt und Darbietung richtet sich der Podcast eher an Gewerbetreibende im weiten Feld der Neuen Medien denn an Juristen. Aber IT-Recht und Gewerblicher Rechtsschutz sind komplexe Spezialgebiete, in denen sich längst nicht jeder juristische Praktiker zuhause fühlt (und auch wahrhaftig nicht fühlen muss). Wer als Rechtsanwalt unsicher ist, ob er nachts um 3 Uhr aus dem Schlaf gerissen die unübersichtliche Rechtslage etwa im Hinblick auf den Begriff des gewerbliches Ausmaßes als Voraussetzung des urheberrechtlichen Auskunftsanspruchs (§ 101 Abs. 1 UrhG) darstellen kann (was vielleicht bei jenen Rechtsanwälten, die Blogs lesen oder Podcasts hören, noch am ehesten erwartet werden kann), für den ist „Law Podcasting“ jedenfalls dann ein Gewinn, wenn er nicht ausschließen kann, in seiner beruflichen Praxis nicht doch einmal mit solchen Fragen konfrontiert zu werden.

Die meist wöchentlich erscheinenden Folgen dauern nicht länger als fünf Minuten und widmen sich zumeist einem einzelnen Problem (z.B. „Gehört die Telefonnummer ins Impressum einer Webseite?“ oder „Sorgfaltspflichten beim Kauf von Adressdaten“). Sie stellen die Rechtslage dar und sparen auch nicht mit Praxistipps, die sich freilich, dem geschilderten Adressatenkreis entsprechend, an gewerblich Tätige richten. Gelegentlich aber macht sich Dr. Bahr in erfrischender Weise Luft in rechtspolitischen Fragen und spart nicht mit Kritik an konkreten Regelungsvorhaben oder politischem Kettengerassel (z.B. „Was kümmert mich mein Geschwätz von gestern? Oder: Randnotizen zur aktuellen politischen Hysterie im Bereich des gewerblichen Adresshandels“). Gerade in diesen Folgen  ist der Podcast im besten Sinne ein Audio-Blog.

Fazit: Trotz abweichender Zielgruppe auch für Juristen hörenswert. Sicher keine Wissenschaftskost und auch kein gesprochenes Handbuch des Rechts der Neuen Medien. Und ebenso sicher vorrangig ein Marketingmittel („Podcasting ist für uns ein Instrument zur Akquise von Neukunden und Mandanten“, Dr. Bahr, Handelsblatt vom 15.4.2006„). Gleichwohl: Reinhören lohnt sich auch für Justisten. Übrigens nicht nur wegen der Inhalte. Wer darüber nachdenkt, selbst mittels eines Podcasts den Mandantenkreis zu erweitern, kann sich bei Law Podcasting anhören, wie man juristische Inhalte in verständlicher Weise für Nichtjuristen aufarbeitet und darstellt. Ob sich das marketingtechnisch gesehen lohnt, steht auf einem anderen Blatt – getreu dem zweiten Motto dieses Artikels: Wer hört schon Podcasts oder liest Blogs?

1 Response to “Jura-Podcasts #1: Law Podcasting (Kanzlei Dr. Bahr)”


  1. 1 Edwin Brose 5. März 2010 um 11:15

    Mit Sicherheit eine wichtige These. Ich hoffe, Ihr bleibt an der Geschichte dran?! Im Bekanntenkreis vergeht kein Treffen, wo das nicht Gesprächsthema ist. Gruß von Edwin Brose


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